Berichte aus fernen Regionen und besonderen Ereignissen

Datum: Sommer 2018

Glen Els - die hervorragende Whisky-Destille im Harz

Single Hercynian Malt Whisky - Homepage: www.glenels.de https://www.hercynian-distilling.de/

Glen Els Destillerie im Harz

Nachtrag 📝

Vielleicht wundert sich der geneigte Leser über den Verweis auf die Destille gleich zu Beginn... Bevor wir zu den kupferglänzende Kessel schlendern, lohnt sich ein Blick zurück auf ein Kapitel der Whisky-Geschichte, das fast tragische Züge trägt.

Bereits 2013 startete die mächtige Scottish Whisky Association 🛡️ den Versuch, das kleine Wort "Glen" rechtlich zu schützen – ihrer Meinung nach sollten nur Whiskys aus Schottland diesen Namen tragen.

Der deutsche Whisky Glen Els geriet ins Visier und wurde vor dem Oberlandesgericht Hamburg ⚖️ verklagt. 2019 verlor er in zweiter Instanz.

Die Begründung lautete: „Geografische Angaben im Lebensmittel­bereich sind besonders geschützt – nicht nur vor irreführender Verwendung, sondern auch vor Anspielungen. Wenn das Produkt aufgrund seines Namens mit der geschützten Herkunft assoziiert wird, darf es nicht verwendet werden.“
Kurz gesagt: Wenn es nicht aus Schottland kommt, darf es nicht Glen heißen.

Ein Wettbewerber kommentierte trocken: „Wir respektieren und akzeptieren das Urteil selbstverständlich – aber wir verstehen es nicht. Genau genommen hat das Gericht offiziell bestätigt, dass es nur in Schottland Täler gibt ...“ 😏

Wer tiefer einsteigen möchte, findet den vollständigen Bericht auf der Website der Brennerei 🔗

Nachdem sie verpflichtet waren, einen anderen Namen zu verwenden, heißt
- Glen Els jetzt Elsburn
und
- Glen Buchenbach jetzt Buchenbach Gold

Zurück zum Original-Bericht 🔙

Falls es unter den Lesern tatsächlich jemanden gibt, der es noch nicht weiß:
Ich bin bekennender Liebhaber von schottischem Single Malt und Vorsitzender eines kleinen Whisky-Clubs in Hamburg – samt eigener Website: www.whisky-hh.de ↗️

Und ich muss gestehen: Die deutschen Destillen (inklusive Glen Els) habe ich lange Zeit – okay: SEHR lange Zeit – schlicht und ergreifend ignoriert.

Die ersten deutschen Whiskys durften sich zwar so nennen, konnten geschmacklich aber nicht einmal im Ansatz mit dem schottischen Original mithalten. Damit war für mich klar: Deutscher Whisky schmeckt nicht – lebenslanges Urteil, Akte geschlossen.

Doch dann kam, wie es kommen musste:
Man hat mal wieder Geburtstag und <Ironie-Flag: on> gute Freunde <Ironie-Flag: off> überraschten mich mit einem "ganz besonderen" Geschenk:
"Du trinkst doch gerne Whisky – da haben wir dir etwas ganz Seltenes aus dem Harz mitgebracht!"

Da hieß es für mich als eingefleischten Schottland-Fan: Große Freude und aufrichtige Begeisterung heucheln

Doch – der Titel dieser Seite verrät es bereits: Die Überraschung war groß, als ich den ersten Schluck auf der Zunge hatte. Diese Malaga-Fass-Abfüllung musste sich keineswegs hinter ihren schottischen Verwandten verstecken!

Bei einer späteren Feier landete eine weitere Flasche dieser Destille in meinem Geschenkevorrat. Mein damaliges Ressentiment war inzwischen so gut wie verschwunden – und meine Freude diesmal ganz und gar echt.

Und damit lag ich richtig: Auch diese zweite Abfüllung überzeugte auf ganzer Linie. Damit war der Keim gelegt: Diese "komische Destille im Harz" musste ich mir ansehen – liegt ja fast um die Ecke…

Doch wie das so ist: Es dauerte bis Herbst 2018, bis sich diese Fahrt endlich organisieren ließ.

Wir machten Halt in der Nähe von Zorge, dem Zuhause der Hammerschmiede, in der der Single Malt Glen Els produziert wird.

Die Auswahl im Verkaufsraum war zwar übersichtlich, dafür aber hochwertig. Neben dem Standard The Journey gab es zum Zeitpunkt unseres Besuchs nur zwei weitere Abfüllungen:

Was heißt schon "nur", wenn man erfährt, dass diese aus sehr kleinen Fässern stammen – und insgesamt nur 35 Flaschen abgefüllt wurden. (Nein, keine Null vergessen. Kein Zahlendreher.)

Schon das Aroma war überragend. Und als ich – als Fahrer – einen einzelnen Tropfen probieren durfte, war klar: Ich muss beide Flaschen haben!
(Einzelpreis: 119,- bzw. 139,- Euro – zu der Zeit reichlich viel Geld für eine Flasche…)

Bei einem späteren Tasting in meinem Club habe ich die beiden Whiskys im Rahmen eines Blind-Tastings serviert – ohne Herkunft oder Name zu verraten.

Ergebnis: Der Malaga bekam sagenhafte 90 von 100 Punkten! Die Überraschung war groß, als sich der elegante Dram als deutscher Whisky entpuppte!

Manchmal sind es die spontanen Begegnungen, die eine Reise unvergesslich machen: So hatte ich das Glück, im Verkaufsraum auf den Senior-Chef Karl-Theodor Buchholz höchstpersönlich zu treffen. Obwohl Führungen offiziell nur zu festen Terminen angeboten werden, entwickelte sich nach einer launigen Fachsimpelei eine kleine Magie – und wir bekamen eine exklusive Führung durch Destille und Lager.

Herr Buchholz führte uns mit bemerkenswerter Freundlichkeit und fast jugendlicher Begeisterung durch den kompakten Brennraum und gewährte dabei einen Blick auf den gerade laufenden Brennprozess. Es war unübersehbar: Hier steckt Herzblut drin. Jeder Handgriff, jede Leitung, jede Oberfläche strahlte Liebe zum Detail aus.

Ein besonderes Highlight war die Besichtigung einer Brennblase, die mit einer vertikalen Anordnung von Kondensatoren eine fünffache Destillation in einem einzigen Durchgang ermöglicht (siehe Bild unten). Diese Technik wird allerdings nicht für die Whiskyherstellung genutzt – dafür sind ausschließlich die klassischen Spirit Stills im Einsatz.

Im Hof erwartete uns dann ein fast schon musealer Anblick: Fass an Fass aufgereiht, jedes versehen mit einer Tafel, die die Besonderheiten des jeweiligen Fasstyps erklärte – ein stiller Hinweis darauf, mit wie viel Sorgfalt hier gereift, verkostet und komponiert wird.