Port Ellen Maltings – Wer bekommt noch was ab?

Auf Islay – und längst auch in Tastings, Foren und Whiskybars – geht das Gerücht um, dass die Mälzerei Port Ellen nur noch Caol Ila füttert. Zeit, mal etwas genauer hinzuschauen – und ein bisschen zu sticheln.

Die heimliche Zentralbank des Islay-Malzes

Port Ellen Maltings ist so etwas wie die Zentralbank des getorften Malzes auf Islay: Hier wird im großen Stil produziert, und wer Zugang hat, ist versorgungstechnisch erst mal auf der sicheren Seite.
Betreiber? Diageo.
Hauptkunden? Ebenfalls Diageo – allen voran Caol Ila und Lagavulin.

Wenn also die Nachfrage nach Islay-Whisky steigt (Spoiler: das tut sie), dann dreht Diageo verständlicherweise zuerst an den eigenen Stellschrauben. Und plötzlich wirkt es, als ob Port Ellen nur noch für Caol Ila produziert – auch wenn die Realität etwas komplexer ist.

Gerücht vs. Realität

Die Kurzversion: Ja, der Trend stimmt – aber die Formulierung ist überzogen.

  • Priorität:
    Diageo-Destillerien wie Caol Ila und Lagavulin werden nach allem, was aus der Branche zu hören ist, klar bevorzugt. Wer zur Familie gehört, steht nun mal zuerst am Buffet.
  • Frühere Kunden:
    Andere Islay-Brennereien, die früher regelmäßig beliefert wurden, finden sich heute deutlich weiter hinten in der Warteschlange wieder – bis hin zu temporären Lieferpausen.
  • Wirkung nach außen:
    Von außen sieht das schnell so aus, als würde Port Ellen nur noch Caol Ila bedienen – faktisch geht es aber um Diageo-internen Vorrang, nicht um eine exklusive Liebesbeziehung.

Wer spürt den Druck am stärksten?

Besonders unangenehm wird es für Brennereien, die stark auf lokal getorftes Islay-Malz gesetzt haben, aber nicht den Diageo-Bonus im Rücken haben. Die müssen sich inzwischen häufiger auf Lieferungen vom Festland verlassen – mit all den logistischen Freuden, die Wind, Wellen und Winter so mit sich bringen.

Ganz ausgeliefert sind sie aber nicht:

  • Eigene Floor Maltings:
    Brennereien wie Laphroaig, Bowmore oder Kilchoman mälzen zumindest einen Teil ihrer Gerste selbst. Das reicht zwar längst nicht für die gesamte Produktion, federt aber Engpässe ab.
  • Plan B: Festland-Mälzereien:
    Andere Brennereien sichern sich über große Mälzereien auf dem Festland ab. Das ist weniger romantisch als Islay-Seeluft, funktioniert aber - und ist teurer.

Warum das für Genießer spannend ist

Was nach trockener Lieferketten-Theorie klingt, hat handfeste Folgen im Glas:

  • Malz-Herkunft:
    Unterschiedliche Mälzereien, unterschiedliche Torfcharakteristik – allein schon durch Torfquelle, Trocknung und Luftführung in den Kilns. Das kann die Aromatik eines Whiskys subtil verändern.
  • Engpässe & Experimente:
    Wenn der gewohnte Lieferant wackelt, wird plötzlich experimentiert: andere PPM-Werte, andere Röstgrade, andere Bezugsquellen → anderer Geschmack!
  • Story im Glas:
    Hinter einem einfach nur rauchigen Dram steckt immer öfter auch eine ziemlich spannende Logistikgeschichte.

Fazit: Kein Drama, aber durchaus Dynamik

Port Ellen Maltings liefert nicht mehr so selbstverständlich an alle wie früher – und Diageo-Destillerien wie Caol Ila sitzen klar in der ersten Reihe. Andere Brennereien müssen kreativer werden, sowohl bei der Malzbeschaffung als auch bei der Planung.

Für uns als Whiskyfans bedeutet das: Hinter einem Dram von Islay steckt heute nicht nur eine Geschichte von Torf und Tradition, sondern auch eine von Lieferketten, Prioritäten und cleverem Ressourcenmanagement. Und ganz ehrlich: Ein bisschen Drama hinter den Kulissen macht die nächste Flasche nicht weniger spannend.